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Viel mehr als Fußball 

Fahed bringt nichts aus der Ruhe. Schon gar nicht, wenn er im Tor der „Harras Boys“ steht. So heißt sein Team, mit dem er in der interkulturellen Straßenfußball-Liga namens „buntkicktgut“ auf Punkte- und Torjagd geht. Eckbälle, Elfmeter, Flachschüsse - Fahed steht zwischen den Pfosten und hält. Nicht jeden Ball. Doch wenn einer mal reingeht, regt er sich nicht auf. „Manuel Neuer bleibt auch immer ganz cool“, sagt der kleine Junge, zehn Jahre alt, dessen Eltern vor über zehn Jahren aus Dohuk im Nordirak geflohen sind.

Faheds Selbstbewusstsein, das er im Tor zeigt, seine Konzentration auf das Spiel und sein gesunder Ehrgeiz, das alles musste sich erst entwickeln. „Wenn du in ein neues Land kommst, in dem du eigentlich niemanden kennst, in dem eine andere Sprache gesprochen wird und in dem auch das Leben ganz anders verläuft, dann brauchst du Zeit und gute Freunde.“ Kinder geflüchteter Familien, wie Fahed, haben es oft nicht leicht, in ihrer neuen Umgebung Fuß zu fassen. Eine neue Sprache, eine andere Kultur und die oft schlimmen Erlebnisse aus der Flucht, die zumindest die Eltern noch lange belasten - das alles müssen diese Kinder erst einmal überwinden, bevor sie bereit sein können sich zu öffnen, zu integrieren und einen erfolgreichen Bildungsweg zu gehen. Das Projekt buntkicktgut hilft ihnen dabei.

Fahed ist sieben Jahre alt, als er in der interkulturellen Straßenfußball-Liga von buntkicktgut zu spielen beginnt. Sein großer Bruder Farsat, acht Jahre älter, kickt dort bereits. „Über ihn bin ich damals in die Straßenfußball-Liga gekommen“, erinnert sich Fahed. Sein Team nennt sich Chicago Bulls, dass er mit fünf Jungs aus seinem Wohnviertel in Ramersdorf-Neuperlach gegründet hat. Sie spielen im Sommer wie im Winter – gegen andere Flüchtlingskinder und Kinder aus der Stadt. Die Liga ist, wie der Name schon sagt, sehr bunt gemischt. „Mein großer Bruder sagt mir immer: Beim Straßenfußball ist egal woher Du kommst“, sagt Fahed. „Jeder ist gleich, will spielen und Tore schießen. Also spiel einfach.“

Das tut Fahed. In der U11 – das ist die Altersklasse für Jungs und Mädels zwischen sieben und zehn Jahren. Jedes Team veranstaltet im Laufe einer Saison in seinem Stadtviertel auf seinem Bolzplatz einen Spieltag, ist Gastgeber und empfängt verschiedene Mannschaften. So kickt und kommt man in der gesamten Stadt herum. „Die Street Football Worker von buntkicktgut unterstützen die Teams dabei, veranstalten auch Trainings“, erklärt Fahed. Jeder Spieler kann auch Schiedsrichter werden und im Liga-Rat aktiv sein, über Sperren und Strafen für Spieler und Teams diskutieren und entscheiden. Wenn beispielsweise eine Mannschaft zu einem Spieltag nicht erschienen ist. Oder ein Spieler hart gefoult hat oder von einem anderen während einer Fußballpartie beleidigt wurde. „So habe ich viel über Fairplay, Toleranz und Teamgeist gelernt“, sagt Fahed. Und so lernt er, fast nebenbei, soziale Verantwortung zu übernehmen, im Miteinander mit Kindern aus der Stadt, unabhängig von ihrer Herkunft oder Geschichte.

Fahed ist ein fröhliches Kind, er spricht sehr gut Deutsch, auch die Schule macht ihm großen Spaß, vor allem Mathe und Sport. „Meine Eltern sind froh, dass ich bei buntkicktgut so viele gute Freunde gefunden habe - und dabei nicht nur etwas über Fußballspielen lerne.“ Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sein kleiner Bruder Wahil (7) auch bald in der interkulturellen Straßenfußball-Liga kicken will.


Fahed (10) im Tor – Quelle: buntkicktgut