Entwaldungsstopp

Entwaldungsstopp

Gegen die Abholzung der Wälder in Brasilien!

Wir sind uns bewusst, dass der Cerrado eine relevante Landschaft für die Sojaproduktion in Brasilien (und für fast 50 Prozent davon verantwortlich) ist, und dass leider die Hälfte dieses reichen und bedrohten Bioms bereits zerstört wurde, hauptsächlich durch Erweiterung des Anbaus von Sojabohnen, Viehzucht und damit verbundene Immobilienspekulation und Landnahme1. Nach Angaben der Cerrado-Soja-Arbeitsgruppe (GTC, portugiesische Abkürzung) werden jährlich ca. 100.000 Hektar der natürlichen Vegetation des Cerrado direkt in Agrarland zum Anbau von Soja umgewandelt.

Die Risiken einer weiteren Zerstörung2 würden die Zukunft der Landwirtschaft selbst durch den laufenden und noch zu erwartenden Zusammenbruch wichtiger Umweltdienstleistungen wie der Wasserversorgung3 sowie das Aussterben von Arten, den Verlust einzigartiger Lebensräume, Treibhausgasemissionen und soziale Konflikte4 im Zusammenhang mit der Agrarlandausweitung gefährden. Und das, obwohl es genügend geeignetes und bereits erschlossenes Land gibt, um die aktuelle Sojaproduktion im Cerrado5 zu verdreifachen, ohne dass es zu neuer Abholzung/Umwandlung kommen muss. Die Nutzung des verfügbaren gerodeten Landes zum Anbau von Soja auf bereits abgeholzten und umgewandelten Flächen ist eine Lösung, die ihre Effizienz bei der Bekämpfung der Abholzung im Amazonasgebiet durch das Sojamoratorium bewiesen hat und die auf den Cerrado angewandt werden muss. Nachdem sich die Sojahändler auf einen Stichtag 2008 für das Amazonasgebiet geeinigt hatten, ging die Abholzung wegen Soja in diesem Gebiet in der Tat von 30 Prozent auf 1,5 Prozent zurück, während die Sojaproduktion durch die Nutzung bereits gerodeter Flächen um etwa 400 % zunahm.

Die Einführung eines Stichtags für die Umstellung der einheimischen Vegetation des Cerrado, wie dies im Amazonasgebiet geschehen ist, wird sicherstellen, dass alle Marktteilnehmer nicht mit Soja in Verbindung mit der Zerstörung wertvoller natürlicher Ressourcen gebracht werden und ihnen dies zur Last gelegt werden kann. Soja ist einer der Hauptgründe für Entwaldung und Umwandlung und macht 47 % der von der EU importierten landwirtschaftlichen und tierischen Rohstoffen aus, die auf Entwaldung/ Umwandlung zurückzuführen sind. Die durch Soja verursachte Umwandlung natürlicher Lebensräume ist stark mit sozialer Ungerechtigkeit und Gewalt6 verbunden. Wir verlangen daher von den in Brasilien tätigen Sojahändlern, dass sie die Lösung für Cerrado, die sie mitentwickelt und 2019 auf den Markt gebracht haben, bestätigen, indem sie einen verbindlichen Stichtag einführen. Das vorgelegte Multi-Stakeholder-Abkommen garantiert die entwaldungs- und umwandlungsfreie Sojalieferung aus dem Cerrado und wurde als eine der sinnvollsten Lösungen zur Erfüllung der globalen Verpflichtungen von 2020 zum absoluten Verbot der Abholzung von Wäldern angesehen.

In der aktuellen Situation sind die deutsche Industrie und der deutsche Einzelhandel erheblichen Reputations- und Rechtsrisiken ausgesetzt, die mit der Abholzung und Umwandlung von Wäldern verbunden sind, und auch wir sind Menschenrechtsverletzungen und illegalen Aktivitäten ausgesetzt. Wir sind zutiefst besorgt über die jüngsten Entwicklungen bei den Cerrado-Verhandlungen und erwarten von den Händlern, dass sie klare und konkrete Umsetzungspläne kommunizieren, um ihre Verpflichtungen zur Beseitigung der durch Soja verursachten Abholzung und Umwandlung im Cerrado baldmöglichst zu erfüllen.

1 https://news.mongabay.com/2019/03/brazils-key-deforestation-drivers-pasture-cropland-land-speculation/.
2 https://www.researchgate.net/publication/315549179_Moment_of_truth_for_the_Cerrado_hotspot
3 https://www.wwf.org.br/natureza_brasileira/areas_prioritarias/cerrado/manifestodocerrado/cerrado_conversion_zero/
4 https://favaretoufabc.files.wordpress.com/2019/10/2019_favareto_hold-the-line-greenpeace-report.pdf
5 https://www.researchgate.net/publication/335433977_Soy_expansion_in_Brazil's_Cerrado
6 https://www.climatefocus.com/sites/default/files/20191209%20%20GIZ-%20Soy%20supply%20chain%20consolidated%20study%20clean%20v.7.0.pdf